Publikum sang Refrains mit

Noah e.V. Konzert bot Lieder und Poesie in armenischer Sprache.

Bergsträßer Anzeiger 30. November 2018 Autor: ml

Lorsch.

Der gemeinnützige Lorscher Verein Noah fördert die kulturellen Beziehungen zwischen Armenien und Deutschland. Dazu gehören auch immer wieder Konzerte mit armenischen Künstlern. Eine dieser Künstlerinnen ist Lilit Kärcher-Sargsyan, die gemeinsam mit der Dichterin Agapi Mkrtchian einen Nachmittag mit Liedern und Gedichten im Nibelungensaal des alten Lorscher Rathauses gestaltete.

Veranstaltet wurde dieses Ereignis, zu dem zahlreiche Interessenten aus Lorsch und umliegenden Kommunen gekommen waren, von Noah. Ernst-Ludwig Drayß, der sich um die Organisation gekümmert hatte, begrüßte die Gäste und stellte die Künstlerinnen vor. Lilit Kärcher-Sargsyan wurde in Eriwan geboren, hat bereits als Kind eigene Lieder komponiert und trat mit acht Jahren erstmals öffentlich auf. Nach dem Studium der klassischen Gitarre in Eriwan und London unterrichtete sie selbst sakrale armenische Musik und gründete zahlreiche bekannte Chöre.

Verbindung zum Geghard-Chor

Zu ihren Schülerinnen gehörte auch Anahid Papayan, die Leiterin des auch in Lorsch bekannten Geghard-Chors. Die Sängerin gab im In- und Ausland mit poetischen Liedern eigene Konzerte. Sie leitete als Unternehmerin ein Reisebüro in Eriwan. Seit 2014 lebt sie in Deutschland, ist verheiratet mit dem  Unternehmer Johannes Kärcher. Auch hier komponiert sie weiter eigene Lieder und hat jetzt in Lorsch ihre neue CD „To the Light“ vorgestellt.

Agapi Mkrtchian, „der Familienname Agapi Mkrtchian, „der Familienname ist unaussprechlich“, so Ernst-Ludwig Drayß, studierte in Eriwan „Deutsch als Fremdsprache“, erhielt ein Auslandsstipendium und studierte in Jena Germanistik. Sie lebt seit 1987 in Deutschland, studierte an der Universität in Frankfurt auf Lehramt. Sie ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Wiesbaden und Schriftstellerin, verfasst Gedichtein und Erzählungen in deutscher Sprache. Ihre Bücher sind in Deutschland, Armenien, Georgien, Tschechien, im Libanon und in den USA veröffentlicht worden.

Sie ist Mitglied des Schriftstellerverbands der Republik Armenien und des „Literaturclubs der Frauen aller Welt“ in Frankfurt. Sie spricht perfekt Deutsch, half Lilit Kärcher-Sargsyan hin und wieder aus, da deren Deutschkenntnisse noch nicht so perfekt sind. „Deutschland ist meine zweite Heimat. In Armenien bin ich die Deutsche. Mein Herz pendelt zwischen Armenien und Deutschland“, gestand sie, „aber im Alter weiß man nicht mehr, wo man eigentlich hingehört“.

Dazu passte ein von ihr vorgelesenes Gedicht: „Meine Sehnsucht nach der Heimat ist grau geworden“. In Deutschland habe sie erlebt, dass Menschen immer wieder umziehen, im Gegensatz zu Armeniern, die wohnen bleiben, wo sie geboren sind. Deshalb hatte sie mit „Im Narzissenweg 8“ ein Gedicht über den Umzug gemacht. Agapi Mrktchian trug auch zwei Gedichte des armenischen Nationaldichters Parujr Sewak vor. „Ich bin kein Radiergummi, ich bin ein Blatt Papier“ und „Zufällig trifft man sich im Leben“.

Die Herzen der Zuhörer erobert

Als Star des Nachmittags entpuppte sich aber Lilit Kärcher-Sargsyan mit ihren zahlreichen Liedern. Sie betrat die Bühne in einem langen dunkelblauen Kleid, nahm sich ihre Gitarre und sang alle Lieder in armenischer Sprache. Das dürften die meisten Zuhörer wohl nicht verstanden haben. Dennoch konnte man den Eindruck gewinnen, die Texte zu verstehen. Der Titel „Mein Herz schlägt nur für Dich“ dürfte ihrem anwesenden Ehemann gewidmet sein, für den sie vielleicht ihre Liebeslieder sang. Mit ihrer zarten, fast einschmeichelnden Stimme, gewann sie aber auch die Herzen ihrer Zuhörer. Die dankten es ihr nicht nur mit Beifall, sie sangen auch drei Mal einen Refrain mit.

Als Agapi Mkrtchian die Geschichte eines armenischen Schriftstellers vorlas: „An meinem Fenster steh ich und schaue hinaus“, setzte Lilit Kärcher-Sargsyan das um in ein Lied. Sie sang Lieder voller Sehnsucht, manchmal huschte dabei ein Lächeln über ihr Gesicht. Als sie aber über ein zerstörtes Kloster sang, klang die Stimme ein wenig energischer.

Auch ein Weihnachtslied fehlte nicht in ihrem Vortrag. Ein anderes Lied widmete sie, mit Ansage, ihrem Freund Ernst-Ludwig Drayß. Wenn man ihr Deutsch richtig verstand, ließ sie das Konzert ausklingen mit ausdrucksstark vorgetragenen armenischen Volksweisen. Armine Hayrapetyan bedankte sich bei den beiden Künstlerinnen mit einem flüssigen Geschenk. ml